Spiegel der Gesellschaft
Markus am Mittwoch, den 13. März 2013Manchmal bin ich ganz froh, nicht in den USA leben zu müssen. Klar, dort sind die Burger größer, die Brownies dicker und der Kaffee bei Starbucks um einiges günstiger. Dafür hat in Übersee aber auch der Populismus, der Einfluss von Lobbygruppen und die Dummheit von Politikern eine ganz andere Dimension. Geradezu ätherisch scheinen manch Senatoren und Gouverneure den Sphären der Vernunft entglitten und irrationalen Überzeugungssystemen anheimgefallen. Und das nicht nur, wenn’s mal wieder um Klimaschutzbestimmungen geht, sondern auch beim Thema »Videospiele und Waffe(l)n«.
Scheiterhaufen
Der Grund? Klar, Newton. Hat jeder mitbekommen. Deswegen wird in den USA mal wieder über schärfere Waffengesetzte debattiert. Nicht, dass man die Kniften verbieten möchte, nein, man will bestimmte Typen von ihnen vielleicht verbieten und Magazine mit mehr als zehn Patronen untersagen. Wohlgemerkt: Nicht deren Besitz, sondern nur den Verkauf. Deswegen rennt halb Amerika jetzt noch schnell in den nächsten Walmart und deckt sich vorsichtshalber mit Knarren und Munition ein – und beschert der Waffenlobby einen goldenen Arsch. Nach dem Motto: Kaufe in der Zeit, dann hast du in der Not. Gleichzeitig hat in Atlanta wieder ein Kerl rumgeballert, während Lamar Alexander, der Senator von Tennessee, bei MSNBC vor laufender Kamera meinte, dass Waffen ja nicht das Problem seien: »Videospiele sind ein größeres Problem als Waffen, weil Videospiele die Leute beeinflussen!« Dass sie das auf irgendeine Weise auch tun – unbestreitbar. Gleichzeitig lässt sich herzlich darüber streiten, ob »Call of Duty«-Spieler zu pflichtbewussten Soldaten, »GTA«-Zocker zu Schwerverbrechern und »PGA Tour«-Daddler zu Golfweltmeistern heranreifen. Doch bleibt’s nicht bei solch fachkundigen Aussagen mancher Regierungsbeamter. Denn schon kommt der…
Waffeln!
… nächste Moment, in dem man mit dem Kopf auf die Tischkante knallen will. Denn aufgrund der Amokläufe und des sich häufenden »Waffenmissbrauchs« der letzten Jahre, möchte sich die US-Regierung tatsächlich mit der Videospiel-Industrie zusammensetzten. Mit der Videospiel-Industrie! Über Waffen beraten! Das ist, als würde sich die deutsche Bundesregierung mit LEGO und Playmobil über Bausicherheit unterhalten wollen. Was geht da in den USA nur vor?! Ich verstehe es nicht. Immerhin: die US-Regierung will nun eine groß angelegte Studie in Auftrag geben, um zu klären, ob tatsächlich ein Zusammenhang zwischen Games und Gewalt besteht. Wenigstens etwas.
Michael Förtsch
Schon gewusst?
Michael Förtsch schreibt seit 2008 für 360 Live und PS3M und hasst unqualifiziertes Gelaber.

Es ist Freitag, der 19, August, dritter Tag der Gamesom, 23:48 Uhr. Hinter uns am XMG-Stand in Halle 6 läuft gerade eine dicke Party. Nicht schlecht: Freigetränke, ein DJ, der sein Handwerk gut versteht und mal abgesehen von einigen schlechten Tänzern ist die Stimmung hervorragend. Vor allem, seit wir zu siebt die Effect-Drink-Plünderer von unserem Stand, der direkt gegenüber aufgebaut wurde, vertrieben und auch die Raucher aus unseren Lounge-Sesseln ins Freie verbannt haben. Jetzt hat das Ganze hier fast schon ein wenig VIP-Feeling: schwarze Ledersessel mit Blick auf die Leinwand gegenüber, Musikbeschallung, lecker Getränke und vor allem noch einiges an Luft, um ausreichend atmen zu können. Luxus, während sich vor uns auf dem Gang die Leute auf die Füße treten, zu viel Bier schlürfen und kostenlose Kinderriegel einwerfen. So war das letztes Jahr, auf der Gamescom 2010 noch jeden Tag. Egal ob Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag: irgendwo war immer was los, irgendwo gab’s immer was zu feiern, für das die Gäste keinen Eintritt und schon gar keine Getränkepreise zahlen mussten. Dieses Jahr ist alles irgendwie anders. Anonymer. Voller. Ungemütlicher. Kurzum: Asozialer. Harte Worte für Europas größte Gaming-Messe, aber angebrachte. Und das sage ich als Journalistin, die bei Präsentationen, Goodies und Gesprächen sowieso noch bevorzugt wird. Heute, drei Tage nach Messestart, kann ich das erste Mal behaupten, dass die Gamescom in diesem Jahr Wort hält mit ihrem Motto: Celebrate the Games.