Ich bin ein Kinderschänder. Sagt Herrmann.

So ist das eben in der Politik: Wer am lautesten schreit, wird am ehesten gehört. Dass dabei nicht zwangsläufig die besten Argumente zum Einsatz kommen, das konnte ich jetzt wieder live erleben. Man möchte kaum glauben, was der bayerische Innenminister Joachim Herrmann in einer Pressemeldung vom 31. März von sich gegeben hat.

Spätestens seit Shinys "Messiah" hätte mir klar sein sollen: wer Actiongames spielt, der schändet auch kleine Menschen. Danke für Screenshot an die tolle Webseite Mobygames.

Spätestens seit Shinys "Messiah" hätte mir klar sein sollen: wer Actiongames spielt, der schändet auch kleine Menschen. Danke für den Screenshot an die tolle Webseite Mobygames.

Da lässt er sich über »Killerspiele« aus. Letzter Satz aus der Meldung, ich zitiere: »In ihren schädlichen Auswirkungen stehen sie – die Killerspiele – auf einer Stufe mit Drogen und Kinderpornografie, deren Verbot zurecht niemand in Frage stellt.« Das also denkt Bayerns Innenminister über mich als Liebhaber von Actionspielen. Ich spiele jetzt seit weit über 20 Jahren, aber das ich deshalb auf eine Stufe mit Kinderschändern zu stellen sei, das hat noch keiner zu mir gesagt. Zu meinem 16-jährigen Sohn übrigens auch nicht. Na gut, er würde herzlich lachen. Ob mit oder über Joachim Herrmann, sei dahingestellt.
Mündige Wähler heranziehen, das sollte der Politik jedenfalls mit sachlich und fachlich gut argumentierten Meldungen besser gelingen als mit beleidigender Polemik. Wer die komplette Pressemeldung lesen will, bitte hier klicken. Wer Joachim Herrmann direkt die Meinung sagen will, kann das hier tun. Ich hab´s schon getan.

[Sodala, hab dann jetzt mal den Herrn Herrmann zum Interview eingeladen. Hier der Text. Mal sehen, was passiert.]

Sehr geehrte Damen und Herren!

Ich schreibe Ihnen in meiner Funktion als Chefredakteur der drei führenden Fachmagazine für Videospiele 360 Live, PS3M und gamesTM. Außerdem berichte ich als freier Journalist für T-Online und Gamesmarkt über PC- und Videospiele.

Ich habe heute Ihre Pressemeldung Nr. 127/09 „Keine Geschäfte mit Tötungstrainingssoftware“ zur Kenntnis geworden. Dem letzten Satz in der Pressemeldung nach zu urteilen, werden Konsumenten von Actionspielen – sogenannte „Killerspiele“ – mit Drogenkonsumenten und Kinderschändern auf eine Stufe gestellt. Ich darf betonen, dass der Großteil unserer rund 100.000 Leser erwachsen ist und Actionspiele seit vielen Jahren genießt. Dasselbe gilt für mich, Gamer seit über 20 Jahren. Es dürfte nachvollziehbar sein, dass unsere Leser und ich sich nicht gerne mit solch pauschalen Anschuldigungen konfrontiert sehen. Der Aufruhr ist entsprechend. Offensichtlich herrscht hier ein Missverständnis zwischen Politik und Wählern.

Ich würde Innenminister Joachim Herrmann gerne die Gelegenheit geben, seinen Standpunkt gegenüber unseren Lesern differenziert darzustellen – und würde mich daher sehr freuen, wenn er für ein Interview zur Verfügung stünde. Das Interview würde in unseren Fachmagazinen sowie auf unseren Webseiten veröffentlicht. Das Gespräch könnte per Email, telefonisch oder vor Ort in München stattfinden. Als interessante Alternative darf ich einen direkten Kontakt mit unseren Lesern per Internet-Chat vorschlagen.

3 Reaktionen zu “Ich bin ein Kinderschänder. Sagt Herrmann.”

  1. Thomas Kretz

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Die Absicht von Richard Herrn Herrmann zum Interview in die Redaktion einzuladen ist ja aller Ehren wert. Ich denke jedoch nicht, daß man mit diesem Mann sach und zielgerecht über das Thema Egoshooter sprechen kann. Wer mit derart primitiven und beleidigenden Phrasen aggiert, kann kein Interesse an einer zielführenden Auseinandersetzung mit dem Thema haben. Nein, man sollte sich jetzt viel mehr überlegen wie man diesem “Subjekt” strafrechtlich beikommt. Durch seine Vergleiche, sind die Tatbestände der Verleumdung, Beleidigung sowie übler Nachrede mehr wie erfüllt. Daß sich aus den Reihen der CDU/CSU immer wieder “Weltfremde Ignoranten” motiviert sehen Wahlkampf auf Kosten der Gamer zu machen ist ja nichts neues, aber so langsam reicht es mit der Hexenjagd. Nochmal, ich glaube nicht daß dieser Mann sachlichen Argumenten zugänglich ist, weshalb man diesem Spuk warscheinlich nur juristisch begegnen kann. Ein Vorschlag zur Güte wäre, Games mit gewalttätigem Inhalt in Zukunft ab 21 Jahren freizugeben, ähnlich dem Vorbild für Sportschützen. Allerdings, müßten die Games ab 21 dann aber auch völlig ungeschnitten erscheinen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Thomas Kretz 38 Jahre alt

  2. Killerspiele & « Blog von 360 Live, PS3M und gamesTM

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  3. Ofenbürste

    Gute Idee.Möchte gern hören,wie sich der Herr Herrmann da rausreden will.Und ich will nicht mehr und nicht weniger als eine öffentliche Entschuldigung,denn auch ich fühle mich durch dessen Aussagen angegriffen und zur Minderwertigkeit degradiert.Eine solche Art von Kriminalisierung ist unerhört!

    Verwundert hat mich übrigens nicht,dass obiger Link von Richard (Thema Meinung sagen) nicht funktioniert.Für mich hat die CDU/CSU jegliche Daseinsberechtigung sowie Glaubwürdigkeit verloren.Der Begriff “Medienkompetenz” scheint dem guten Herren Herrmann nicht geläufig zu sein…hätte er beim Computer-Crashkurs wohl besser aufgepasst…

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