Killerspiele, Kinderpornos, Drogen

Es ist so: Ich spiele bereits seit C64-Zeiten Computer- und Videospiele. Ich habe Königreiche aufgebaut, ferne Planeten besiedelt, böse Nazis abgeknallt, den dritten, vierte und fünften Weltkrieg gewonnen und so ziemlich jedes dämonische Wesen in die Hölle zurückgeschickt, das es gewagt hat, auf einem Monitor aufzutauchen. Daher glaube ich, sagen zu können, dass ich durchaus etwas Erfahrung und Ahnung mit und über Videospiele habe. Und, ja, es ist tatsächlich so, dass diese – leider Gottes – auf den ein oder anderen wohl wirklich negative Wirkung haben können. Ebenso wie Filme, Rock-, Pop-, Rap- oder Heavy-Metal-Musik oder auch Kekse mit zu hohem Zuckergehalt.

Doch bin ich mir auch sicher, dass Videospiele nicht die Auslöser von Amokläufen oder Jugendgewalt sind. Oder dafür zu beschuldigen sind, dass der ein oder andere Schüler sein Soll in Sachen Lernen, Verstehen und Lebenserfahrung nicht erfüllt und stattdessen lieber vor dem Rechner, der Konsole oder Handheld versauert. Daher musste ich die letzte Äußerung eines gewissen Joachim Herrmann, seines Zeichens Innenminister des schönen Bayern, erstmal verdauen. Richard hat sich dazu schön geäußert und fühlt sich vom Innenminister mit Kinderschändern auf eine Stufe gestellt. Mir geht es nicht ganz so, denn ich halte das Ganze für schlichten Populismus – der aber damit nicht minder gefährlich ist. Denn was da gesagt und behauptet wird, widerspricht drastisch dem, was ich von einem objektiven und anständigen Politiker erwarte.

Killerspiele widersprechen dem Wertekonsens unserer auf einem friedlichen Miteinander beruhenden Gesellschaft und gehören geächtet. In ihren schädlichen Auswirkungen stehen sie auf einer Stufe mit Drogen und Kinderpornografie, deren Verbot zurecht niemand in Frage stellt.

Mit solchen Worten werden nicht nur die Spieler beleidigt, sondern auch Entwickler. Kreative Menschen, die Unterhaltung – ja, für Erwachsene – entwickeln, werden beschuldigt, ähnliches Schreckliches zu tun, wie kranke Kerle, die nackte Kinder photographieren und misshandeln oder Drogen an Jugendliche verticken. Das ist unverzeihlich. Und von welchen Schädlichen Auswirkungen redet der Herr Innenminister eigentlich? Konkretisierung? Fehlanzeige.

Ach ja, fühlt sich noch jemand anderes bei dieser Diskussion an die Die Leiden des jungen Werther erinnert?

2 Reaktionen zu “Killerspiele, Kinderpornos, Drogen”

  1. Markus

    “Mit solchen Worten werden nicht nur die Spieler beleidigt, sondern auch Entwickler. Kreative Menschen, die Unterhaltung – ja, für Erwachsene – entwickeln, werden beschuldigt, ähnliches Schreckliches zu tun, wie kranke Kerle, die nackte Kinder photographieren und misshandeln oder Drogen an Jugendliche verticken.”

    An dem Gedanken ist etwas dran …

  2. Dominik

    Ich kann mich da nur dem redakteur anschliessen! Ich war grad auf der arbeit als ich den artikel zu der aussage gelesem habe! Meine kollegen von denen selber welche seid mehreren jahren spielen (teilweise über 30 jährige, ich selbst bin 25) waren mehr als empört! Nicht nur weil sie selber teilweise kinder haben!!! Die aussage beleidigt einen bis aufs tiefste und es fühlt sich fast nach nem schlag ins gesicht an! Wir haben heftigst darüber geschimpft und reden jetzt noch teilweise darüber! Absoluter fehlauftritt eines erwachsenen mannes der auch noch in der politik tätig ist! Schande!!! Worauf ich aber eigentlich hinaus will ist folgendes… Warum kann ich mit 18 jahren z.b. alkohol und zigarretten erweben, in die videothek gehen und mir die übelsten pornos und splatterfilme ausleihen, mir vielleicht sogar legal waffen zulegen? Oder sonst was machen?! Ja genau! Weil das gesetzt sagt, ich bin volljährig und ich selbst entscheiden kann was ich mache! Aber nein… Da kommt dann die USK daher und schreibt mir/uns/DEUTSCHLAND vor was wir spielen sollen? EINE MINDERHEIT RICHTET ÜBER EIN GANZES LAND? Ich wills nicht aber ich würde schon fast von einer (MEDIEN) DIKTATUR sprechen… Wann wird es endlich soweit sein das in einer DEMOKRATIE jeder wirklich das machen kann was er will? Und wenn spieleentwickler kreativ sind und uns (erwachsenen) unterhaltung bieten kommen andere daher und wollen es verbieten?!? Das sind so ein paar dinge die ich nicht verstehe! Wollte das mal äussern und ich hoffe das ich irgendwann mal auch in deutschland spiele wie GEARS OF WAR oder DEAD RISING kaufen kann! Denn wenn das gewaltverherrlichung ist düfte ich mir ja noch nichtmal die nachrichten angucken! Da sehen wir schon genug von der sch.. die auf der welt abläuft! Also liebe politiker… Kümmert euch mal um die wahren probleme. Als beispiel: KÜMMERT EUCH UM UNSERE JUGEND UND TRETET DEN ELTERN UND VERKÄUFERN IN DEN ARSCH DIE SOLCHE SACHEN AN JUGENDLICHE WEITER GEBEN. Aber hört auf uns erwachsene SPIELER als Sündenböcke zu missbrauchen und behandelt uns nicht wie verbrecher! ICH BIN KEIN KINDERSCHÄNDER. Danke für die aufmerksamkeit…

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