
Wir schreiben das Jahr 2183. Vor zwei Jahren sind Commander Shepard und viele seiner Gefolgsleute bei einem Angriff auf den Raumkreuzer Normandy ums Leben gekommen. Das Schiff wurde zerstört, der Commander verglühte, nachdem er noch den Piloten Joker retten konnte, in der Atmosphäre des nächsten Planeten. Doch der mächtige Großkonzern Cerberus konnte Überreste seines Körpers bergen und erstellte daraus eine exakte Kopie der Heldenfigur. Der Drahtzieher hinter diesem außergewöhnlichen Projekt und Kopf der Cerberus-Gruppe ist der mysteriöse Illusive Man. Nun schiebt er Shepard neue Aufträge zu und unterstützt so die Vorbereitungen für den Kampf gegen eine neue Bedrohung: die Sammler. Dieses Insektenvolk überfällt menschliche Kolonien und formt aus ihren Opfern willenlose Krieger.
Soweit die Vorgeschichte des zweiten Teils der »Mass Effect«-Trilogie. Am Grundkonzept hat sich wenig geändert: Den Spieler erwartet ein ausgeklügelter Hybrid aus Rollenspiel und Action-Feuerwerk. Shepard bereist den Weltraum, springt mit Hilfe sogenannter Massenportale von einer Galaxie zur anderen, landet auf Planeten und Raumstationen, schafft sich Verbündete und rekrutiert neue Mitstreiter für seinen Landungstrupp. Der besteht auch in »Mass Effect 2« aus zwei Gruppenmitgliedern, die dem Commander immer zur Seite stehen wenn er außerhalb seines Raumschiffs auf Erkundungstour geht. Die Cerberus-Gruppe hat nämlich nicht nur Shepard rekonstruiert, sondern auch sein Schlachtschiff. Die Normandy SR-2 übertrifft seinen Vorgänger in der Größe fast um das Doppelte, außerdem wurde sie mit interessanten Upgrades bestückt: einer Forschungseinrichtung zum Beispiel, in der der salarianische Professor Mordin Waffen- und Schiffs-Upgrades entwickelt – zumindest sobald man ihn rekrutiert hat.
Die Schlacht beginnt
In fast allen Fällen löst Shepard seine Missionen mit bloßer Waffengewalt. Seine Gegner geben sich extrem abwechslungsreich. Denn im Fadenkreuz der neuen Geschichte stehen nicht nur die Sammler. Auch Vertreter der Rassen Geth, Batarianer sowie der Spezies Vorcha und Drell, und eine riesige Cyborg-Armada stehen auf der Abschussliste. Hinzu kommen alle bekannten Völker aus Teil Eins, wie Kroganer, Asari und natürlich auch menschliche Gegner.
Sobald Shepard die Submachine Gun – oder eine andere der insgesamt 19 verschiedenen Waffengattungen – zieht, nimmt die Kamera hinter seiner rechten Schulter Platz und zeigt das Geschehen aus einem Blickwinkel, wie man ihn aus »Resident Evil 5« oder »Deadspace« kennt. Via LT-Schultertaste nimmt Shepard Feinde ins Visier, mit RT drückt er den Abzug, die A-Taste bewirkt einen Sprint oder schiebt den Commander hinter die nächste Deckung. Außerdem kann er neuerdings niedere Objekte überspringen, hinter denen er zuvor Schutz gefunden hat, und schnell von einer Deckung zur anderen wechseln. Die Gruppenmitglieder werden indes mit dem Steuerkreuz positioniert: Die Oben-Taste lässt sie das gleiche Ziel angreifen, Links und Rechts geben dem jeweiligen Flügelmann an der aktuellen Position des Fadenkreuzes einen Wegpunkt vor, von dem aus er dann die Gegner aufs Korn nimmt. Das funktioniert prächtig, denn die Wegfindung klappt immer und auf das Unterstützungsfeuer der Verbündeten ist Verlass. Das liegt auch an ihren Spezialfähigkeiten.

Lebenserhaltende Maßnahmen
Auf die Granaten aus Teil Eins muss Shepard dieses Mal verzichten, sie wurden ausnahmslos gestrichen. Erfreulich dagegen, dass das Arsenal sonst beachtlich zugelegt hat. Bereits die zweite Waffe, die Shepard nach seiner Rekonstruktionsphase in die Finger bekommt, ist ein wuchtiger Granatwerfer, der mächtige Löcher in die feindlichen Reihen reißt. Und bald findet der Held weitere schwere Waffen: Raketenwerfer und Beam-Gewehre fremder Spezies beispielsweise. Nur schade, dass auch diese Medaille eine Kehrseite hat und ein Teil der Waffenvielfalt aus dem Original-Spiel dem neuen Ausrüstungssystem geopfert wurde. Denn Shepard findet nur noch vergleichsweise selten neue Schießeisen und kann sie nicht mehr mit individuellen Upgrades beliebig modifizieren. Stattdessen werden jetzt Verbesserungen für Rüstung, Waffen und Projektile im Labor der Normandy nach und nach freigeschaltet und sind dann unveränderbar. Das Herumexperimentieren mit unzähligen Komponenten wie im ersten Teil entfällt also – ein derber Abstrich in Sachen Spieltiefe. Aber auch ein Ausdruck dafür, dass in »Mass Effect 2« vor allem das Wort Action groß geschrieben wird. Denn das alles fühlt sich gerade noch so komplex an, dass zwar auch versierte Rollenspieler ihren Spaß haben werden, aber Genre-Fremdlingen trotzdem ein flotter Einstieg in die Materie ermöglicht wird. Egal zu welcher Gattung du gehörst, auf dich warten harte Gegner, so viel ist sicher. Mitdenken ist hier Pflicht! Die Gegner-KI gibt sich gewieft, geht in Deckung, flankiert unerlässlich und kann so schon im leichtesten der fünf Schwierigkeitsgrade einen schnellen Heldentod herbeiführen. Nur gut, dass sich auch die Verbündeten nicht lumpen lassen und ähnlich clever auf dem Schlachtfeld agieren – selbst wenn man ihnen keine Befehle gibt. Sollte man doch mal ableben, sorgen regelmäßig gesetzte Rücksetzpunkte sowie eine automatische Speicherfunktion für einen schnellen Wiedereintritt ins Geschehen.

Effekt-Feuerwerk
Doch »Mass Effect 2« fesselt nicht nur spielerisch – auch das Design und das Technikgerüst faszinieren. Bioware haucht dem »Mass Effect«-Universum ein weiteres Mal mit den unterschiedlichsten Charakteren Leben ein. Und die wirken dank Edel-Grafik sowie den filigranen und absolut flüssigen Animationen wahnsinnig glaubhaft, brennen sich mit ihren markanten Erscheinungsbildern sofort in das Bewusstsein des Spielers. Nicht zuletzt der vortrefflichen Vertonung wegen, denn die Soundeffekte sind bombastisch, die synthetische Musik motiviert unterschwellig und steht der des ersten Teils in nichts nach.
Auch wenn Bioware in Sachen Rollenspiel-Elemente den Gürtel enger schnallt, ist der zweite Teil der Trilogie sehr nahe dran an spielerischer Brillanz und unterhält von der ersten Sekunde an.
Der Plot geht unter die Haut, denn weder Shepard noch seine Verbündeten können die wahren Ziele der Cerberus-Organisation deuten. Hinzu kommen der markante Gesamt-Look mit seinem fabelhaften Licht-Schatten-Spiel und die von derben Sprüchen getränkten Konversationen. Ein übermächtiger Privatkonzern in einem dunkel-düsteren Zukunfts-Szenario, verschlagene Charaktere, Cyber-Implantate, Künstliche Intelligenzen, Computer-Hacker – das alles klingt nach Cyberpunk der alten Schule, und tatsächlich scheinen die Autoren sich diesmal mehr zu trauen. Was dabei herauskommt, dürfte Rollenspiel-Puristen der alten Schule unterfordern, wird Action- und Shooter-Fans aber umso mehr begeistern. Wer sich hingegen zur Riege der Sci-Fi-Fans zählt, muss in jedem Fall zugreifen!
Nachtest zur deutschen Synchro:
Zur deutschen Synchro gibt es eigentlich nur eines zu sagen: Schade, dass Electronic Arts die englische Tonspur nicht mit auf die Disk gepresst hat. Generell machen zwar alle deutschen Synchronsprecher einen erstklassigen Job, doch dass gerade wichtige Charaktere wie Commander Shepard oder Garrus neue Sprecher bekommen haben, ist mehr als bedauerlich. Klar, jene die Teil Eins ohnehin nicht gespielt haben, wird’s kaum stören. Eingefleischte Fans allerdings sehen sich so mit einer weiteren gravierenden Änderung im direkten Vergleich zum Vorgänger-Spiel konfrontiert. Electronic Arts ist dieses Problem der Konsolen-Version durchaus bewusst und will die Option für englische Sprachausgabe demnächst als Download nachreichen. Wann das passieren wird und vor allem zu welchem Preis, ist allerdings noch ungewiss.
Dieser Test ist zu finden in der Ausgabe 02/10
Final Fantasy XIII
Mega Man 10
Battlefield: Bad Company 2
kurz & knapp
Hersteller/ Electronic Arts
Entwickler/ Bioware
Preis/ ab 60 Euro
Genre/ Action-Rollenspiel
Spieler/ 1
Xbox Live/ ja
USK/ ab 16 Jahren
Hersteller/ Electronic Arts
Entwickler/ Bioware
Preis/ ab 60 Euro
Genre/ Action-Rollenspiel
Spieler/ 1
Xbox Live/ ja
USK/ ab 16 Jahren
kurz gesagt
Commander Shepards neues Abenteuer – mit mehr Action, überarbeitetem Kampfsystem, düsterer Atmosphäre und derber Gangart.
Commander Shepards neues Abenteuer – mit mehr Action, überarbeitetem Kampfsystem, düsterer Atmosphäre und derber Gangart.
Wertung 360 Live
GRAFIK
Einige hässliche Texturen, aber alles andere raubt einem die Sinne
Einige hässliche Texturen, aber alles andere raubt einem die Sinne
9
SOUND
Hochkarätige Sprecher, irre Soundeffekte, stimmungsvolle Musik
Hochkarätige Sprecher, irre Soundeffekte, stimmungsvolle Musik
9
STEUERUNG
Übersichtlich, aber komplex. Neues Deckungssystem nicht perfekt
Übersichtlich, aber komplex. Neues Deckungssystem nicht perfekt
8
GESAMTEINDRUCK
Ein weiteres Sci-Fi-Epos ist geboren. Dass einige Neuerungen durchaus kritikfähig sind, ändert daran nichts.
Ein weiteres Sci-Fi-Epos ist geboren. Dass einige Neuerungen durchaus kritikfähig sind, ändert daran nichts.
8.9
Leserwertung
von 18 Leserwertungen
GRAFIK
8.3
SOUND
7.7
STEUERUNG
7.1
GESAMT-
EINDRUCK
EINDRUCK
8.2
von 18 Leserwertungen
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Viel Action und top schöne Grafik. und die langatmigen fahrten mit dem Marco gehöhren der Vergangenheit an. Leider sind auch weniger Waffen und Rüstungen im Spiel verteilt und der Actionpart überwiegt dem Rollenspielanteil. Die Storry und das Gameplay sind dennch gut. Gebe eine 9.2/10
09.02.2010 17:15
Teils ein wenig reduziert was ME1 ausmachte. Denoch sehr sehr umfangreich. Man muss echt sagen es hält einem auf Trab. Ich würde ME1 vor ME2 einordnen.
16.02.2010 23:30